10. Oktober 2026

Japans Zinswende: Folgen für Anleihen, Yen und Aktien

S Halsig

Marketingmitteilung der CORUM Vermögensverwaltung (Deutschland) GmbH | Serafin Wealth
Anlagerisiken bis hin zum Totalverlust · Keine Anlageberatung

Silvio Halsig, Chief Strategist Serafin Wealth Strategies · Fertiggestellt am 10. Oktober 2026, 13:00 Uhr MESZ

Am 18. September 2026 hat die Bank of Japan (BoJ) ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 % angehoben. Das ist der höchste Stand seit 1995. Die Notenbank setzt damit die Normalisierung ihrer Geldpolitik fort, die sie im März 2024 mit dem Ende der Negativzinsen begonnen hat.

Was heißt das für Anleihen, den Yen und Aktien?

Kurz gesagt

Drei Jahrzehnte niedriger Zinsen

Ein Blick auf die lange Zinsgeschichte zeigt, wie außergewöhnlich die vergangenen 30 Jahre waren. In den Ölkrisen der 1970er-Jahre lag der Diskontsatz der BoJ bei 9 %, auf dem Höhepunkt der Immobilien- und Aktienblase 1990 bei 6 %. Nach dem Platzen der Blase senkte die Notenbank die Zinsen Schritt für Schritt. Ab 1999 verfolgte sie eine Nullzinspolitik, um eine Wirtschaft mit schwachem Wachstum und fallenden Preisen zu stützen.

2016 ging die BoJ noch weiter: Sie führte negative Zinsen ein und startete die Zinskurvensteuerung (Yield Curve Control). Dabei kaufte sie in großem Umfang Staatsanleihen, um auch die langfristigen Zinsen nahe null zu halten.

Die Grafik zeigt die lange Reihe des Diskont- bzw. Basiskreditzinses. Er ist nicht identisch mit dem heutigen Leitzins, dem Zielwert für den unbesicherten Tagesgeldsatz, und liegt derzeit mit 1,5 % um 0,25 Prozentpunkte darüber.

Diskont- und Basiskreditzins der Bank of Japan, in % p. a. (1955 bis 2026)Bis 2001 offizieller Diskontsatz, danach Basic Loan Rate. Nicht der Leitzins: Dieser liegt seit 2024 je 0,25 Pp. darunter.02468101960197019801990200020102020Niedrigzinsphase;Negativzins 2016–2024 nicht abgebildet9,0 % (Ölkrisen 1973 und 1980)6,0 % (Blasenhoch 1990)1,5 % (Sep. 2026)Quelle: Bank of Japan (Zeitreihen Official Discount Rate / Basic Loan Rate).
Diskont- und Basiskreditzins der Bank of Japan, in % p. a. (1955 bis 2026). Bis 2001 offizieller Diskontsatz, danach Basic Loan Rate. Diese Reihe ist nicht der heutige Leitzins: Der Leitzins (Zielwert für den unbesicherten Tagesgeldsatz) liegt seit 2024 jeweils 0,25 Prozentpunkte darunter, aktuell bei 1,25 %. Die Negativzinsen 2016–2024 sind in der Reihe nicht abgebildet. Quelle: Bank of Japan.

Der Weg aus der Niedrigzinspolitik

Mit dem weltweiten Inflationsschub ab 2022 und deutlich steigenden Löhnen änderte sich das Bild. Im März 2024 beendete die BoJ die Negativzinsen und die Zinskurvensteuerung. Seither hat sie den Leitzins in kleinen Schritten angehoben:

ZeitpunktLeitzins
Juli 20240,25 %
Januar 20250,50 %
Dezember 20250,75 %
Juni 20261,00 %
18. September 20261,25 %

Die jüngste Entscheidung fiel mit 7 zu 2 Stimmen. Die Kerninflation ohne frische Lebensmittel lag im August mit 1,7 % unter dem Ziel von 2 %. Die BoJ begründet den Schritt vorausschauend: Die zugrunde liegende Inflation nähere sich 2 %, und die Finanzierungsbedingungen seien weiterhin locker. Weitere Zinserhöhungen stellt sie in Aussicht, sofern sich ihr Ausblick für Wirtschaft und Preise bestätigt. Zeitpunkt und Tempo hängen von der weiteren Entwicklung ab.

Was sich an den Märkten verändert

1. Japanische Staatsanleihen bieten wieder höhere Renditen

Die deutlichste Veränderung liegt am Anleihemarkt. Bei der Auktion zehnjähriger japanischer Staatsanleihen am 6. Oktober 2026 lag die Rendite bei rund 3,1 %. Neben der Geldpolitik tragen dazu die expansive Finanzpolitik der Regierung und steigende Renditen weltweit bei.

Für japanische Versicherer, Pensionskassen und Sparer bieten heimische Staatsanleihen damit spürbar höhere Renditen als in den vergangenen Jahrzehnten. Das verbessert die Ausgangslage für neue Anlagen. Für Besitzer bereits ausgegebener Anleihen bedeuten steigende Renditen dagegen zunächst Kursverluste. Auf Dauer kann das Kapital aus dem Ausland, etwa aus US-Staatsanleihen, nach Japan zurücklenken. Ob und in welchem Umfang, ist ungewiss.

2. Der Carry-Trade ist riskanter geworden

Jahrelang war es ein gängiges Geschäft, sich günstig in Yen zu verschulden und das Geld in höher verzinste Anlagen im Ausland zu investieren. Wertet der Yen auf, verteuert sich die Rückzahlung der Yen-Schulden, gemessen in der Anlagewährung. Zusammen mit Hebel und steigenden Sicherheitsanforderungen kann das den Abbau von Positionen beschleunigen. Wie empfindlich dieser Mechanismus ist, zeigte der 5. August 2024: Nach der Zinserhöhung im Juli und schwachen US-Konjunkturdaten lösten viele Investoren ihre Positionen gleichzeitig auf. Der Nikkei fiel an einem Tag um rund 12 %.

3. Der Yen bleibt gegenüber dem Dollar schwach

Steigende Zinsen stärken eine Währung nicht automatisch. Wechselkurse hängen auch vom Zinsabstand zu anderen Ländern und von den Erwartungen über den weiteren Zinsverlauf ab. Am Tag der Septembererhöhung notierte der US-Dollar bei rund 157,5 Yen. Der Zinsabstand zu den USA ist trotz der Schritte weiterhin groß, und die Sorge um die japanischen Staatsfinanzen belastet die Währung zusätzlich. Gegenüber dem Euro hat der Yen seit Ende Juli dagegen leicht aufgewertet: Der EZB-Referenzkurs fiel von 186,99 Yen je Euro am 30. Juli auf 177,34 Yen am 9. Oktober 2026.

Unsere Einordnung

Japan ist nach drei Jahrzehnten wieder ein Land mit spürbar positiven Zinsen. Das verändert Kapitalflüsse in einer der größten Volkswirtschaften der Welt und betrifft auch Anleger außerhalb Japans: über globale Anleiherenditen, über den Yen und über die Bewertung japanischer Aktien.

Japanische Aktien. In unseren Portfolios sind japanische Aktien derzeit gegenüber unserer neutralen Gewichtung übergewichtet. Hauptgrund sind die Unternehmensreformen: Seit die Tokioter Börse im März 2023 börsennotierte Unternehmen aufgefordert hat, Kapitalkosten und Aktienkurs stärker zu beachten, richten viele Unternehmen ihre Kapitalverwendung stärker auf die Aktionäre aus, etwa über Aktienrückkäufe und höhere Dividenden. Wir sehen darin die Chance, dass sich Rentabilität und Bewertung japanischer Unternehmen weiter verbessern. Ob das eintritt, ist nicht gesichert.

Ein schwacher Yen kann zusätzlich exportorientierte Unternehmen unterstützen, deren Kosten überwiegend in Yen anfallen: Sie können ihre Preise im Ausland halten und in Yen höhere Margen erzielen. Unternehmen mit überwiegend heimischem Absatz und hohen Importkosten können dagegen unter einem schwachen Yen leiden.

Für Anleger in Euro ist das eine zweite Ebene. Unsere japanischen Aktienpositionen sind nicht gegen Währungsschwankungen abgesichert. Für die Rendite in Euro zählt deshalb auch, wie sich der Yen ab dem Kaufzeitpunkt entwickelt. Ein hypothetisches Rechenbeispiel: Steigt eine Aktie in Yen um 10 % und verliert der Yen gegenüber dem Euro zugleich 10 %, ergibt sich in Euro vor Kosten ein Verlust von rund 1 %.

Risikohinweis: Anlagen in japanischen Aktien unterliegen Kurs-, Währungs- und Ereignisrisiken bis hin zum Totalverlust. Eine Abwertung des Yen gegenüber dem Euro mindert die Rendite nicht abgesicherter Anlagen in Euro. Dass Unternehmen von Reformen oder einer schwachen Währung profitieren, ist nicht gesichert.

US-Staatsanleihen. Die Zinswende ist zugleich ein Grund, warum wir bei US-Staatsanleihen kurze Laufzeiten bevorzugen und höchstens bis in den mittleren Bereich der Zinskurve gehen. Japanische Investoren gehören zu den größten ausländischen Haltern amerikanischer Staatsanleihen. Mit höheren Renditen im eigenen Land haben sie wieder eine heimische Alternative. Entscheidend ist dabei der Vergleich nach Kosten der Währungsabsicherung: Höhere japanische Kurzfristzinsen verbilligen zwar die Absicherung von Dollaranlagen, zugleich steigen aber die Renditen im Inland. Verschiebt sich dieser Vergleich zugunsten Japans, kann die Nachfrage nach US-Staatsanleihen vorübergehend nachlassen. Das würde vor allem lange Laufzeiten treffen, deren Kurse auf steigende Renditen am stärksten reagieren. Ob und in welchem Umfang das geschieht, ist offen.

Wie stark Japan in einem Portfolio gewichtet werden sollte, hängt von der jeweiligen Ausgangslage ab. Wir besprechen es gerne mit Ihnen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der Leitzins der Bank of Japan?

Seit dem 18. September 2026 bei 1,25 %, angehoben um 0,25 Prozentpunkte und wirksam ab 24. September. Das ist der höchste Stand seit 1995. Die BoJ stellt weitere Erhöhungen in Aussicht, sofern sich ihr Ausblick für Wirtschaft und Preise bestätigt.

Warum war der japanische Zins so lange niedrig?

Nach dem Platzen der Blase Anfang der 1990er-Jahre senkte die BoJ die Zinsen, um schwaches Wachstum und fallende Preise zu bekämpfen. Ab 1999 verfolgte sie eine Nullzinspolitik, von 2016 bis 2024 galten Negativzinsen, ergänzt um die Zinskurvensteuerung.

Was ist der Yen-Carry-Trade?

Kreditaufnahme in Yen zu niedrigen Zinsen und Anlage in höher verzinsten Märkten. Wertet der Yen auf, verteuert sich die Rückzahlung. Mit Hebel kann das zu gleichzeitigen Positionsauflösungen führen. Am 5. August 2024 fiel der Nikkei an einem Tag um rund 12 %.

Stärkt eine Zinserhöhung automatisch den Yen?

Nein. Wechselkurse hängen auch vom Zinsabstand zu anderen Ländern und von Erwartungen über den weiteren Zinsverlauf ab. Am Tag der Septembererhöhung notierte der US-Dollar bei rund 157,5 Yen.


Wichtige Hinweise

Diese Veröffentlichung ist eine Marketingmitteilung der CORUM Vermögensverwaltung (Deutschland) GmbH im Sinne von § 63 Abs. 6 WpHG. Serafin Wealth ist ein Angebot der CORUM Vermögensverwaltung (Deutschland) GmbH. Die Veröffentlichung dient der Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Angaben zur Portfoliopositionierung geben den Stand vom 10. Oktober 2026 wieder und können sich jederzeit ändern. Anlagen in Fremdwährungen unterliegen Wechselkursschwankungen. Das Rechenbeispiel ist hypothetisch und keine Prognose. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Das beschriebene Angebot richtet sich an Privatkunden mit einem Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren, die Wertschwankungen und Verluste tragen können. Mögliche Interessenkonflikte: CORUM verwaltet Portfolios, die in die genannten Anlageklassen investiert sind.

Quellen: Bank of Japan (Statement on Monetary Policy vom 18. September 2026; Zeitreihen Official Discount Rate und Basic Loan Rate; Devisenkurse vom 18. September 2026), japanisches Finanzministerium (Auktionsergebnis zehnjähriger Staatsanleihen vom 6. Oktober 2026), Statistics Bureau of Japan (Verbraucherpreise August 2026), Nikkei Inc. (Nikkei 225, 5. August 2024), Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS Bulletin Nr. 90 zum Abbau von Carry-Trades im August 2024), Japan Exchange Group (Aufforderung der Tokioter Börse vom 31. März 2023), Europäische Zentralbank (Euro-Referenzkurse JPY).

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